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Pädiatrische MRT: Wenn Standardprotokolle an ihre Grenzen stoßen

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In der pädiatrischen MRT sind Risiken unsichtbar – und genau das macht sie so relevant für die Sicherheit.

Gerade bei Kindern stoßen Standardprotokolle an ihre Grenzen.

Was es stattdessen braucht: strukturierte Abläufe, klare Kommunikation und konsequente Aufmerksamkeit im Team.

 

Stephen Mercedes MBA, BHA, MRSO, RT(R)(MR)

 

Inhalt

1. WARUM DIE MRT-SICHERHEIT BEI KINDERN BESONDERE AUFMERKSAMKEIT ERFORDERT

2. SPEZIFISCHE RISIKOFAKTOREN IN DER PÄDIATRISCHEN MRT

3. Interdisziplinäre Teams in der pädiatrischen MRT

4. SEDIERUNG UND ANÄSTHESIE

5. KOMMUNIKATION MIT PÄDIATRISCHEN PATIENT:INNEN

6. SONDERFÄLLE: FEED-AND-SLEEP-UNTERSUCHUNGEN

7. EMPFEHLUNGEN

8. Fazit

Quellen

 

1. warum die MRT-sicherheit bei kindern besondere aufmerksamkeit erfordert

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist eines der leistungsfähigsten diagnostischen Verfahren der modernen Medizin. Gleichzeitig stellt sie hinsichtlich der Sicherheit eine der komplexesten klinischen Umgebungen dar. Starke Magnetfelder, Hochfrequenzenergie und schnell wechselnde Gradienten erzeugen Risiken, die unsichtbar, jedoch permanent vorhanden sind.

Während diese Herausforderungen in jeder MRT-Abteilung bestehen, werden sie bei der Untersuchung pädiatrischer Patient:innen deutlich komplexer. Kinder benötigen häufig zusätzliche Unterstützung, um während der Untersuchung ruhig zu bleiben, und pädiatrische MRT-Untersuchungen erfordern oft Sedierung, Anästhesie oder spezielle Vorbereitungstechniken.

Für radiologische Teams bedeutet dies, dass die Sicherheit in der pädiatrischen MRT über Standardprotokolle hinausgeht. Sie erfordert koordinierte Teamarbeit, klare Kommunikation, strukturierte Abläufe und eine sorgfältige Patientenlagerung, um sowohl die Sicherheit als auch eine hohe diagnostische Bildqualität zu gewährleisten.

 

2. Spezifische Risikofaktoren in der pädiatrischen mrt

Pädiatrische MRT-Umgebungen unterscheiden sich in mehreren wesentlichen Punkten von der Erwachsenenbildgebung. Zwei der bedeutendsten Faktoren sind die Komplexität des interdisziplinären klinischen Teams im MRT-Bereich sowie die häufige Notwendigkeit von Sedierung oder Anästhesie.

Diese Faktoren erhöhen die Komplexität der Gewährleistung einer sicheren MRT-Umgebung und legen zusätzliche Verantwortung auf das MRT-Fachpersonal (MTR), die konsequente Einhaltung der Sicherheitsprotokolle sicherzustellen.

 

3. Interdisziplinäre teams in der pädiatrischen mrt

MRT-Abteilungen sind häufig räumlich von anderen Krankenhausbereichen getrennt und befinden sich in abgeschlossenen Bereichen ohne direkte Sichtverbindung zu anderen klinischen Teams. Für viele nicht-radiologische Mitarbeitende gilt die MRT-Abteilung daher als „Zutrittsbeschränkter Bereich“ aufgrund des starken Magnetfeldes.

In der Erwachsenen-MRT besteht die Besetzung typischerweise aus einer/einem MTR pro Scanner, gelegentlich ergänzt durch unterstützendes Personal. In der pädiatrischen MRT hingegen ist häufig ein deutlich größeres multidisziplinäres Team beteiligt.

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Das komplette Spektrum an Personen, die bei einer Kinder-MRT gleichzeitig anwesend sein können – hier vereint in der kontrollierten Zone 3.

Zu den anwesenden Personen können gehören:

  • MTR (Medizinische Technolog:innen für Radiologie) – Bedienung des Scanners und Durchführung der Untersuchungsprotokolle

  • Anästhesist:innen – Betreuung komplexer Sedierugs- und Anästhesiefälle

  • Spezialisiertes Fachpersonal für Atemtherapie und Anästhesiepflege - Sicherstellung und Überwachung einer sicheren Sedierung/Atmung

  • Medizinische bzw. technische Assistenzkräfte – Unterstützung der klinischen Abläufe

  • Pflegefachkräfte der Station – Begleitung der Patient:innen von der Station

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5 zentrale Personalrollen in einer pädiatrischen MRT-Abteilung

Zusätzlich können weitere Personen anwesend sein, darunter technisches Personal, Reinigungspersonal, radiologische Leitung sowie Eltern.

Die Anwesenheit vieler Personen erhöht die Komplexität der Sicherheitskontrolle erheblich. MTR übernehmen daher eine zentrale Rolle als Sicherheits-Gatekeeper, indem sie sicherstellen, dass alle Personen vor Betreten der kontrollierten Bereiche (Zone 3 und 4) auf Implantate, medizinische Geräte und metallische Gegenstände gescreent werden.

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Die MTR als Gatekeeper – alle Mitarbeitenden und Besucher müssen vor dem Betreten der Zonen 3 & 4 gescreent werden

 

4. Sedierung und Anästhesie

Für junge Patient:innen ist es äußerst schwierig, 30–45 Minuten bewegungslos in einem engen Scanner bei Geräuschpegeln über 100 Dezibel zu verbringen. Um eine erfolgreiche Bildgebung zu ermöglichen, kommen unterschiedliche Sedierungsstufen zum Einsatz:

  • Minimale Sedierung (z. B. Lachgas oder intranasale Medikation)

  • Moderate Sedierung (z. B. orale Medikation oder intravenöse Analgesie)

  • Tiefe Sedierung (z. B. intravenöses Propofol oder Fentanyl)

  • Allgemeinanästhesie (Vollnarkose)


Unter Sedierung können Patient:innen noch auf äußere Reize reagieren. Unter Allgemeinanästhesie hingegen sind sie vollständig auf Monitoringgeräte und medizinisches Personal angewiesen, um Atmung und Vitalfunktionen aufrechtzuerhalten.

In diesen Situationen konzentrieren sich Sedierungs- und Anästhesieteams primär auf die Sicherstellung stabiler Vitalparameter vor, während und nach der Untersuchung. MRT-spezifische Sicherheitsaspekte stehen daher nicht immer im Vordergrund.

Die Verantwortung der MTR bleibt es daher, sicherzustellen, dass:

  • alle in den Scannerraum eingebrachten Geräte MRT-kompatibel sind

  • Sicherheitsprotokolle während der gesamten Untersuchung eingehalten werden

Ein weiterer kritischer Punkt: Sedierte oder narkotisierte Patient:innen können kein Unwohlsein kommunizieren. Dadurch können Hitzeentwicklung oder Druckbelastung während der Untersuchung unbemerkt bleiben. Besonders relevant sind hierbei:

  • falsch positionierte Kabel

  • unzureichende Isolierung

  • Haut-zu-Haut-Kontakt


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Kind im MRT-Scanner mit Monitoring-Kabeln auf der Brust. Die hervorgehobenen Kabel zeigen ein kritisches Sicherheitsrisiko: Bei sedierten Patienten können abgenutzte oder falsch positionierte Kabel überhitzen und HF-induzierte Verbrennungen verursachen

Diese Faktoren können zu HF-induzierten Verbrennungen führen. Obwohl solche Verletzungen selten sind, zählen sie zu den am häufigsten gemeldeten MRT-bedingten Komplikationen. Ein dokumentierter Fall (2024) zeigte, dass ein zunächst ignoriertes Wärmegefühl zu einer Verbrennung Grad III führte (Abu-Shanab et al., 2025). Bei sedierten Patient:innen fehlen solche Frühwarnzeichen, weshalb präventive Maßnahmen besonders wichtig sind.

 

5. Kommunikation mit pädiatrischen patient:innen

Nicht jede pädiatrische MRT-Untersuchung erfordert Sedierung. In vielen Fällen kann effektive Kommunikation die Kooperation deutlich verbessern und den Bedarf an Medikation reduzieren.

Die Vorbereitung beginnt häufig bereits vor dem Untersuchungstag. Eltern, Child-Life-Spezialist:innen und das MRT-Team können gemeinsam daran arbeiten, Kinder zu Hause gezielt auf die Untersuchung vorzubereiten. Mit strukturierten Programmen konnten einige Einrichtungen bemerkenswerte Ergebnisse erzielen. So berichtete das New York-basierte Hospital for Special Surgery (2023) über eine Sedierungsrate von 0 % bei nahezu 2'000 pädiatrischen MRT-Untersuchungen – erreicht durch gezielte Vorbereitung, Patientenedukation und die Unterstützung durch Pflegefachpersonen.

Am Untersuchungstag spielen MTR eine zentrale Rolle. Erfolgreiche Strategien umfassen unter anderem:

  • klare und altersgerechte Erklärung des Ablaufs für Kind und Eltern

  • Durchführung von Demonstrationen oder „Probeläufen“
  • gezielte Unterbrechung der Untersuchung zur Beruhigung

  • Anpassung der Kommunikation an Alter und Persönlichkeit des Kindes

Kinder zwischen sechs und vierzehn Jahren reagieren sehr unterschiedlich auf medizinische Maßnahmen. Erfolgreiche Kommunikation bedeutet, jedes Kind individuell abzuholen.

 

6. Sonderfälle: Feed-and-Sleep-Untersuchungen

Eine spezielle pädiatrische MRT-Technik ist die Feed-and-Sleep-Methode (auch Feed-and-Wrap), die typischerweise bei Säuglingen bis etwa sechs Monate angewendet wird.

Die Eltern werden in der Regel gebeten, die nächste Mahlzeit vor der Untersuchung hinauszuzögern und den Säugling unmittelbar vor dem Scannen zu stillen oder zu füttern. Ziel ist es, dass der Säugling während der Untersuchung natürlich einschläft. Anschließend wird der Säugling sorgfältig gewickelt bzw. immobilisiert, bevor die Untersuchung beginnt. Das Timing ist entscheidend, da längere Vorbereitungszeiten das Risiko erhöhen, dass das Kind vor Abschluss der Untersuchung wieder aufwacht.

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Feed-and-sleep: A mother holds her infant right before placing them into the MRI scanner

Diese Untersuchungen erfordern ein hohes Maß an Effizienz und Koordination seitens der MTR. Je kürzer Vorbereitungs- und Untersuchungszeit, desto größer die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Untersuchungsabschlusses.

Ein weiterer wichtiger Sicherheitsaspekt ist die Aspirationsgefahr. Säuglinge können ihre Atemwege bei Eindringen von Milch oder Nahrung nicht zuverlässig schützen. Daher werden Monitoring-Systeme wie die Pulsoxymetrie eingesetzt, um die Vitalparameter kontinuierlich zu überwachen.

 

7. Empfehlungen

Die Sicherheit in der pädiatrischen MRT umfasst zahlreiche Aspekte. Weitere Themen wie Protokollmanagement, Implantat- und Gerätesicherheit, Screening-Verfahren sowie Notfallmanagement werden in weiterführenden Beiträgen behandelt.

Die folgenden Empfehlungen fassen zentrale Maßnahmen zur Minimierung der beschriebenen Risiken zusammen und geben einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Handlungsfelder für eine sichere pädiatrische MRT-Praxis. Sie basieren auf den dargestellten Inhalten sowie aktuellen Erkenntnissen aus der Literatur (u. a. Uramatsu et al., 2025).

Personal und Sicherheit

  • Umfassendes Screening von Patient:innen und Personal

  • Klare Zugangsbeschränkungen gemäß MRT-Zonen mit definierten Freigabestufen

  • Einsatz von Ferromagnetdetektionssystemen (FDMS)

  • Durchführung standardisierter Safety Time-Outs vor Untersuchungsbeginn

Sedierung und Anästhesie

  • Sicherstellung der MRT-Kompatibilität aller Geräte

  • ·ntfernung ungesicherter Materialien vor Betreten des Untersuchungsraums

  • Strikte Einhaltung etablierter Sicherheitsprotokolle

Kommunikation und Patientenvorbereitung

  • Einsatz von Mock-Scanner-Trainings, sofern sinnvoll

  • Berücksichtigung individueller Kommunikationsbedürfnisse

  • Unterbrechung der Untersuchung bei Bedarf zur Beruhigung

  • Enge Zusammenarbeit mit Eltern und Pflegefachpersonen

Feed-and-Swaddle

  • Klare Kommunikation von Ablauf und Zeitplanung an die Eltern

  • Verwendung geeigneter Polsterung

  • Sicherstellung ausreichender Belüftung

  • Minimierung unnötiger Materialien im Scanner

  • Reduktion von Wartezeiten zur Minimierung von Bewegungen

 

8. Fazit

Die pädiatrische MRT bringt besondere Sicherheitsherausforderungen mit sich, die über Standardverfahren hinausgehen. Multidisziplinäre Teams, der häufige Einsatz von Sedierung oder Anästhesie sowie die Untersuchung von Säuglingen erfordern eine sorgfältige Koordination und erhöhte Aufmerksamkeit.

Die Sicherheit hängt maßgeblich ab von:

  • effektiver Teamarbeit

  • strukturierten Arbeitsabläufen

  • konsequenter Einhaltung von Sicherheitsprotokollen

Klare Kommunikation zwischen Radiologiepersonal, Anästhesieteams und Betreuungspersonen ist entscheidend zur Risikoreduktion. Durch die Kombination aus klar definierten Sicherheitsprozessen, strukturierter Patientenvorbereitung und sorgfältiger Lagerung können MRT-Teams sowohl die Patientensicherheit als auch die Qualität der pädiatrischen Bildgebung nachhaltig verbessern.

Quellen

Abu-Shanab, A., Nasr, H., Mohd, A., Shaweish, M., Abdulraheem, A., & Du, D. (2025). A rare case of MRI-induced thermal burn: Clinical implications and safety awareness. Radiology Case Reports, 20(5), 2243–2247. https://doi.org/10.1016/j.radcr.2025.01.064

Hospital for Special Surgery. (2023). HSS achieves 100% success rate for sedation-free pediatric MRIs. https://news.hss.edu/hss-achieves-100-success-rate-for-sedation-free-pediatric-mris/

Uramatsu, M., Takahashi, H., Barach, P., Fujisawa, Y., Takahashi, M., Mishima, S., & Yamanaka, G. (2025). Improving pediatric magnetic resonance imaging safety by enhanced non-technical skills and team collaboration. Brain and Development, 47(1), 104311. https://doi.org/10.1016/j.braindev.2024.104311